Bilsenkraut (Hyoscyamus niger, albus, aureus) Das Bilsenkraut gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Es ist die schwächste Droge unter den Nachtschattengewächsen. Namen Schwarzes Bilsenkraut, Weißes Bilsenkraut, Goldgelbes Bilsenkraut, Glockenbilsenkraut, Apolloniakraut, Bilsen, Billekrut, Bilsamkrut, Binselkraut, Dolldill, Dollkraut, Dullkraut, Dulbillerkraut, Fettkraut, Hühnertod, Hundsgift, Hunnemigenkraut, Jupitersbohne, Kesselkraut, Maddekraut, Rasewurz, Rasenwurz, Raasewurz, Rindswurz, Roßzähne, Saukraut, Schlafkraut, Schweinkraut, Taubenkraut, Teufelsauge, Tollkraut, Totenblumenkraut, Verrenkwurzel, Zahnkraut, Zigeunerkraut Historie Der Name des Biers "Pils" bzw. Bier "Pilsener Brauart" soll sich von der Verwendung des Bilsenkrauts im Bier ableiten. Man setzte dem Bier während des Brauprozesses Samen des Bilsenkraut zu, um die Wirkung des Biers zu verstärken.Da der Konsum des derartig "verstärkten" Bieres häufig zu Schlägereien etc. führte, wurde die Verwendung durch das "Bayerische Reinheitsgebot" von 1516 verboten. Dennoch wurde bis zum 17. Jahrhundert in der Nähe von Brauereien Bilsenkraut angebaut und dem Bier zugesetzt. Eine weitere Erklärung geht davon aus, daß Bilsenkraut früher gegen Zahnschmerzen ("Zahnbüller") eingesetzt wurde. Bilsenkraut wurde auch bei "Hexenprozessen" verwendet. Man verabreichte den Beschuldigten Bilsenkrautextrakte, um ein Geständniss zu erreichen. Weiterhin wurde Bilsenkraut früher gerne für Morde und Suizide verwendet. Auch kam es früher durch Verwechselungen des Bilsenkraut mit Gemüse zu Vergiftungen, sogar zu Massenvergiftungen. Selbst in Shakespeares Hamlet wird das Bilsenkraut erwähnt. Hamlet tötete damit seinen Vater . . . Daneben schrieb man dem Bilsenkraut magische Wirkung zu: So sollte es z.B. das Haus schützen, Dämonen fernhalten und beruhigend wirken. Auch wurde es gerne für Regenzauber verwendet. Daneben war es ein wichtiger Bestandteil von Hexensalben. Im heutigen Sinne handelte es sich dabei um Fett- oder Ölsalben, in denen sich die Wirkstoffe des Bilsenkraut lösten. Da fettlösliche Substanzen leicht über die Haut aufgenommen werden, konnte so eine zügige Aufnahme in den Körper erreicht werden. Anschließend kam es zu den Flugerlebnissen (u.a. zum Blocksberg) sowie zu erotischen Halluzinationen (Sex mit Satan u.ä.). Wirkung Die Wirkung des Bilsenkraut beruht auf den Alkaloiden Scopolamin und Hyoscyamin. Die Wirkstoffe gelangen rasch ins Gehirn und führen zu Beginn des Rausches zu starkem Aufgeputschtsein. Dabei treten Unruhe, Erregung, Verwirrtheit, Halluzinationen, Kontrollverlust und Gewalttätigkeit auf. Anschließend kommt es zu einem tiefen Schlaf ("narkotischen Schlaf") mit sehr intensiven Träumen. Dabei kommt es zu Flugerlebnissen, außerkörperlichen Erfahrungen sowie sexuelle Erlebnissen oder Tierverwandlungen. Die Erlebnisse im Traum und auch die Wahrnehmung der Wirklichkeit bekommen dabei einen stark mystischen Touch, alles wirkt geheimnisvoll, gruselig und unheimlich. Im Wachzustand gibt es starke Veränderungen der Wahrnehmung von Geschmack, Gehör und Geruch, auch optische Täuschungen. Für den Konsumenten ist das interessante daran, daß diese Wahrnehmung meist als absolut real empfunden werden. Hierbei handelt es sich um den Zustand einer psychotischen Störung !!! Die Vorstellung, fliegen zu können, führt gelegentlich zu schweren Unfällen. Sollte man also den unbedingten Wunsch verspüren, Bilsenkraut konsumieren zu wollen, sollte man es nicht alleine im stillen Kämmerlein ausprobieren. Ein Freund o.ä. sollte anwesend sein und nüchtern bleiben, um ggf. helfen zu können ! Aufnahme und Wirkungsdauer In Südeuropa wird das Bilsenkraut erhitzt und die dabei entstehenden Dämpfe werden eingeatmet. Daneben wird es als Tee bzw. Aufguß konsumiert. Der Konsum als "Hexensalbe" ist selten, allerdings sind entsprechende "Rezepte" im Internet leicht zu finden. Die Samen des Bilsenkraut werden auch gegessen. Weiterhin werden Pflanzenbestandteile geraucht. Die Wirkungsdauer liegt im Bereich von Stunden. Regelmäßiger Konsum führt zu einer Toleranzbildung. Psychische Auswirkungen Akut bewirken die Alkaloide, daß eine Unruhe, Erregtheit, Verwirrtheit, Euphorie und Rededrang auftreten. Hinzu kommen später dann eine zunehmende psychomotorische Erregung und Halluzinationen. Bei entsprechender Dosierung treten dann Bewußtseinsstörungen bis zur Bewußtlosigkeit auf. Die im Schlaf erlebten Träume sind oft sexuell getönt. Daneben beinhalten sie Wahnvorstellungen, wie z.B. Verwandlung in Tiere, Gefühle, den Körper verlassen zu können, Fliegen zu können u.ä.. Dieser Schlaf kann durchaus als deliriumähnlich beschrieben werden. Mit Abklingen der akuten Wirkung kommt es dann normalerweise zu einem Rückgang der psychischen Effekte. Allerdings kann es bei entsprechend veranlagten Personen auch zu einem "Hängenbleiben" kommen, d.h. die Effekte gehen nicht zurück und es bleibt eine Restwirkung bestehen ! Diese entspricht meistens den Symptomen einer psychotischen Störung. Inwieweit der Genuß von Alkaloiden bei sonst psychisch gesunden Personen eine psychotische Störung auslösen kann, ist umstritten. Unstrittig ist allerdings, ausgehend vom sog. Vulnerabilitätsmodell, daß bei entsprechend vorbelasteten Personen die Vulnerabilitätschwelle senken und damit eine psychotische Störung auslösen kann. Umstritten ist auch die Gefahr eines "Flashbacks" . Dabei soll es auch noch Wochen bis Monate nach dem Konsum zu plötzlichen Rauschzuständen kommen können. Bisher konnten "Flashbacks" im Zusammenhang mit dem Konsum von Halluzinogenen weder nachgewiesen noch widerlegt werden. Auszuschließend sind sie daher nicht ! Bei langfristigem Konsum können zudem Störungen der Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit auftreten. Eine körperliche Abhängigkeit entwickelt sich durch den Konsum von Bilsenkraut nicht, aber es besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Körperliche Auswirkungen Nach Einnahme treten die typischen Symptome einer Vergiftung mit Alkaloiden auf: Heiße und gerötete Haut, trockene Schleimhaut, Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Erhöhung der Herzfrequenz bis zum Herzrasen, Anstieg des Blutdrucks, beschleunigte und vertiefte Atmung, weite und lichtstarre Pupillen, Sprach- und Sehstörungen, Übelkeit und gelegentlichem Erbrechen. Bei Überdosierung können Todesfälle auftreten ! Links
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