Engelstrompete (Datura/ Brugmansia suaveolens/ sanguinea aurea)

Die Engelstrompete gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae).

Namen

Baumstechapfel, Buschstechapfel, Duftender Trompetenbaum, Duftende Engelstrompete, Engelstrompete, Stechapfel, Strauchstechapfel, Trompetenbaum

Historie

Die Form der Blüten gab der Pflanze ihren Namen: Engelstrompete ("Brugmansia"). Das Nachtschattengewächs wächst wild in Mittel- und Südamerika (überwiegend Peru und Chile) und kam erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts es als Zierpflanze in europäische Gärten. In ihrer Heimat war die bei uns immer "beliebter" werdende Kübelpflanze aber nicht nur wegen ihrer beeindruckenden Blütenpracht begehrt:"Die Indianer haben aus den Pflanzen eine Art Medizin hergestellt, die allerdings eine völlig bewusstseinsverändernde Wirkung hatte. Die Beschreibungen hören sich wirklich grauenhaft an. Die Leute haben mit Schaum vor dem Mund da gelegen und waren mehr tot als lebendig. Das haben die Indianer wohl gemacht, um ihren Ahnen näher zu sein. Um mit ihnen in Verbindung treten zu können, wurden diese Mittel eingenommen." (Reisebericht aus Südamerika) Bis heute wird die Engelstrompete dort als billige Ersatzdroge verwendet.

In Europa wurde rasch die berauschende Wirkung erkannt und genutzt. Dabei sind bei Menschen, die die Engelstrompete als Rauschmittel unbeabsichtigt überdosiert zu sich genommen haben, immer wieder Vergiftungsfälle und delirante Zustände aufgetreten. Sogar Todesfälle sind bekannt. Mengen ab 0,3g Pflanzenbestandteilen gelten als tödlich !

Wirkung

Die Wirkung der Engelstrompete beruht auf den Alkaloiden Atropin und Scopolamin. Die weiße Engelstrompete ist die Pflanze mit dem höchsten natürlich vorkommenden Scopolamingehalt. Er kann bis zu 0,5% betragen !

Die Wirkstoffe gelangen rasch ins Gehirn und führen nach etwa 30 Minuten zu starkem Aufgeputschtsein. Dabei treten je nach Dosierung Unruhe, Erregung, Verwirrtheit, Kontrollverlust und Gewalttätigkeit bis hin zur Raserei und Tobsucht auf. Die optischen Halluzinationen und Bewußtseinsstörungen treten nach etwa 2 - 4 Stunden auf und können über mehrere Tage anhalten. Die erlebten Trips werden oft als sehr unangenehm und "horrormäßig" beschrieben. Der durch die Engelstrompete verursachte Rausch ist sehr stark. Da der Konsument im Rausch nicht mehr zwischen Realität und Halluzination unterscheiden kann, kann es schnell zu selbstgefährdenden Verhaltensweisen kommen ! So kann kann der Konsument möglicherweise glauben, unsterblich zu sein oder fliegen zu können und probiert dieses dann auch aus. Aus eigener Erfahrung kann berichtet werden, daß ein Konsument, der sich für einen Fisch hielt, beinahe ertrunken wäre !

Im eigenen Interesse noch ein paar Anmerkungen, die bitte beachtet werden sollten:Die Engelstrompete ist äußerst giftig ! Weiterhin schwankt der Wirkstoffgehalt von Pflanze zu Pflanze, so daß man bei dem ersten Trip noch Glück haben kann, beim zweiten dann aber möglicherweise eine lebensbedrohende Dosis einnimmt. Etwa 50mg Scopolamin oder 100mg Atropin sind tödlich, aber der Tod kann durch Nebenwirkungen schon früher mit geringeren Dosen eintreten. Der Tod erfolgt aufgrund einer zentralen Atemlähmung durch Ersticken, die möglicherweise bei Bewußtsein eintreten kann !!! Auch im Tee können sehr hohe Konzentrationen auftreten ! Wir raten daher dringend von Experiementen mit der Engelstrompete ab ! Sollte man dennoch den unbedingten Wunsch verspüren, Engelstrompete konsumieren zu wollen, sollte man es nicht alleine im stillen Kämmerlein ausprobieren. Ein Freund o.ä. sollte anwesend sein und nüchtern bleiben, um ggf. helfen und den Notarzt rufen zu können.

Aufnahme und Wirkungsdauer

Die oberirdischen Pflanzenteile werden frisch geerntet geraucht oder gegessen. Die Blätter werden aber auch getrocknet geraucht, wodurch sich die Wirkung abschwächt. Aus den getrockneten Blättern oder Blüten wird auch Tee hergestellt. Für den Tee genügen häufig schon zwei bis vier Blätter, um entsprechende Halluzinationen zu erleben.

Nach der Einnahme werden die Wirkstoffe rasch resorbiert und es kommt nach einerhalben bis einer Stunde zu fiebertraumähnlichen Visionen und Illusionen, die sich rasch in Halluzinationen umwandeln, bei denen der Benutzer nicht mehr zwischen Rausch und Realität unterscheiden kann. Diese Halluzinationen, die teilweise sehr erschreckend und horrormäßig sind, können zwischen drei Stunden und drei Tagen dauern. Manchmal kommt es dann auch zu einem Übergang in ein Delirium.

Psychische Auswirkungen

Akut bewirken die Alkaloide, daß innerhalb von 30 - 60 Minuten Unruhe, (sexuelle) Erregtheit, Verwirrtheit, Euphorie/ Heiterkeit sowie Rededrang/ Schreien und Lach-/ Weinkrämpfe auftreten. Diese können im weiteren Verlauf immer wieder ohne Vorwarnung auftreten. Halluzinationen treten regelmäßig auf, da Scopolamin hochgradig halluzinogen wirkt. Bei entsprechender Dosierung treten dann Bewußtseinsstörungen bis zur Bewußtlosigkeit auf. Die Halluzinationen können auch nach Abklingen der akuten Vergiftung noch mehrere Tage andauern.

Mit Abklingen der akuten Wirkung kommt es dann normalerweise zu einem Rückgang der psychischen Effekte. Allerdings kann es bei entsprechend veranlagten Personen auch zu einem "Hängenbleiben" kommen, d.h. die Effekte gehen nicht zurück und es bleibt eine Restwirkung bestehen ! Diese entspricht meistens den Symptomen einer psychotischen Störung. Inwieweit der Genuß von Alkaloiden bei sonst psychisch gesunden Personen eine psychotische Störung auslösen kann, ist umstritten. Unstrittig ist allerdings, ausgehend vom sog. Vulnerabilitätsmodell, daß bei entsprechend vorbelasteten Personen die Vulnerabilitätschwelle senken und damit eine psychotische Störung auslösen kann.

Umstritten ist auch die Gefahr eines "Flashbacks" . Dabei soll es auch noch Wochen bis Monate nach dem Konsum zu plötzlichen Rauschzuständen kommen können. Bisher konnten "Flashbacks" im Zusammenhang mit dem Konsum von Halluzinogenen weder nachgewiesen noch widerlegt werden. Auszuschließend sind sie daher nicht !

Auch Tage nach der Einnahme können Störungen der Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit sowie des Gedächtnisses auftreten. Bei entsprechender Dosierung kann auch für mehrere Tage ein Verlust des Kurzzeitgedächtnisses auftreten.

Eine körperliche Abhängigkeit entwickelt sich durch den Konsum von Engelstrompete nicht, aber es besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit.

Körperliche Auswirkungen

Nach Einnahme treten u.a. die typischen Symptome einer Vergiftung mit Alkaloiden auf: Trockene, heiße und gerötete ("scharlachrote") Haut, trockene Schleimhaut und damit verbunden Schluckbeschwerden und Heiserkeit, starke Hautreizung, Erhöhung der Körpertemperatur, Erhöhung der Herzfrequenz bis zum Herzrasen, Anstieg des Blutdrucks, beschleunigte und vertiefte Atmung, weite und lichtstarre Pupillen mit Lichtscheu, verstärkter Tränenfluß ("Glanzaugen"), Sprach- und Sehstörungen, Störungen beim Wasserlassen bis zur Harnsperre, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und gelegentlichem Erbrechen. Das Erbrechen tritt allerdings nur zu Beginn auf. Weiterhin können Anfälle auftreten, die an wie generalisierte epileptische Anfälle wirken. Bei Überdosierung können Todesfälle durch Herzrhythmusstörungen und/ oder Atemlähmungen auftreten.

Die Sehstörungen können wochenlang anhalten und äußern sich durch das Sehen von Doppelbildern sowie Schwierigkeiten, nahe Gegenstände scharf zu sehen. Neben den Sehstörungen können weitere atropinbedingte Störungen tagelang anhalten. Die weiten Pupillen bleiben aber am längsten bestehen ! Atropin selber wird erst im Verlaufe von mehreren Tagen abgebaut !

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