Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium) Der gemeine Stechapfel gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Namen Gemeiner Stechapfel, Asthmakraut, Donnerkugel, Dornapfel, Dornkraut, Hexenkraut, Kratzkraut, Rauhapfel, Schlafkraut, Schwarzkümmel, Stachelnuss, Teufelsapfel, Weisser Stechapfel Historie Erstmalig wird schon um 300 v.Chr. von der narkotischen und toxischen Wirkung des gemeinen Stechapfels berichtet. Bereits der römische Schriftsteller Plinius berichtete über eine Verwendung des gemeinen Stechapfels als Speergift. Der arabische Arzt Abu Sina setzte die Pflanze um das Jahr 1000 n. Chr. zum ersten Mal medizinisch ein. Die medizinische Verwendung wird in Europa erstmalig 1762 empfohlen. Die Stechapfelblätter wurden wegen der atemwegserweiternden Wirkung bei Asthmaanfällen geraucht. Auch heute noch wird das Alkaloid Scopolamin bzw. chemisch veränderte Varianten des Scopolamin in der medikamentösen Therapie des Asthma bronchiale eingesetzt. Nach Europa kam der gemeine Stechapfel erst im 16. Jhd., allerdings verbreitete er sich dann rasch. Der gemeine Stechapfel wurde zur Herstellung von "Hexensalben" und zum "Liebeszauber" verwendet. Der gemeine Stechapfel galt als "Liebeszwinger". Auch glaubte man, mit der Pflanze psychiatrische Krankheiten heilen zu können. Wahrscheinlich trugen Zigeuner, die den gemeinen Stechapfel als Zauber- und Orakelkraut benutzten, zur Verbreitung in Europa bei. Natürlich wurde die narkotische Wirkung des gemeinen Stechapfels auch gerne von Kriminellen etc. benutzt, um Opfer zu betäuben oder zu töten. Derzeit wird der gemeine Stechapfel als Bestandteil von K.O. - Tropfen eingesetzt und dient als billiger LSD - Ersatz. Weiterhin war und ist der gemeine Stechapfel ein Mittel für Suizidversuche. Auch außerhalb Europas wurde der gemeine Stechapfel bei einigen Völkern gerne für Halluzinationen und Rauschzustände verwendet. So ist der Stechapfel z.B. in Indien dem Gott Shiva geweiht. In Mexiko wurde der gemeine Stechapfel seit Jahrhunderten als Narkotikum für medizinische Eingriffe und als Rauschmittel für kultische Handlungen eingesetzt. Wirkung Die Wirkung des gemeinen Stechapfels beruht auf den Alkaloiden Atropin und Scopolamin. Die Wirkstoffe gelangen rasch ins Gehirn und führen zu Beginn des Rausches zu starkem Aufgeputschtsein. Dabei treten je nach Dosierung Unruhe, Erregung, Verwirrtheit, Kontrollverlust und Gewalttätigkeit bis hin zur Raserei und Tobsucht auf. Anschließend kommt es zu einem tiefen Schlaf ("narkotischen Schlaf") mit sehr intensiven Träumen. Dabei kommt es zu Flugerlebnissen, außerkörperlichen Erfahrungen sowie sexuelle Erlebnissen oder Tierverwandlungen. Die Erlebnisse im Traum und auch die Wahrnehmung der Wirklichkeit bekommen dabei einen stark mystischen Touch, alles wirkt geheimnisvoll, gruselig und unheimlich. Im Wachzustand gibt es starke Veränderungen der Wahrnehmung von Geschmack, Gehör und Geruch sowie optische Täuschungen. Die Konsumenten können aber noch reden und bewußt denken. Interessanterweise wird regelmäßig ein Verlust des Zeitempfindens berichtet. Für den Konsumenten ist das interessante daran, daß diese Wahrnehmung meist als absolut real empfunden werden. Hierbei handelt es sich um den Zustand einer psychotischen Störung !!! Die Vorstellung, fliegen zu können, führt gelegentlich zu schweren Unfällen. Im eigenen Interesse noch ein paar Anmerkungen, die bitte beachtet werden sollten: Der gemeine Stechapfel ist äußerst giftig ! Weiterhin schwankt der Wirkstoffgehalt von Pflanze zu Pflanze, so daß man bei dem ersten Trip noch Glück haben kann, beim zweiten dann aber möglicherweise eine lebensbedrohende Dosis einnimmt. Etwa 50mg Scopolamin sind tödlich, aber der Tod kann durch Nebenwirkungen schon früher mit geringere Dosen eintreten. Der Tod erfolgt aufgrund einer zentralen Atemlähmung durch Ersticken, die möglicherweise bei Bewußtsein eintreten kann !!! Bereits ab 15 Stechapfelsamen sind tödliche Komplikationen zu erwarten. Aber auch im Tee können sehr hohe Konzentrationen auftreten ! Wir raten daher dringend von Experiementen mit dem gemeinen Stechapfel ab ! Sollte man dennoch den unbedingten Wunsch verspüren, Stechapfel konsumieren zu wollen, sollte man es nicht alleine im stillen Kämmerlein ausprobieren. Ein Freund o.ä. sollte anwesend sein und nüchtern bleiben, um ggf. helfen und den Notarzt rufen zu können. Aufnahme und Wirkungsdauer Sowohl Pflanzenteile als auch der Samen werden als Rauschmittel konsumiert, zum Beispiel als Tee gekocht oder zu einem Sud gepresst. Auch das Inhalieren von Dämpfen der trompetenartigen Blüten kann entsprechende Effekte verursachen. Je nach Einnahmeform treten nach etwa 2 - 4 Stunden Halluzinationen auf, die zwischen 6 - 36 Stunden anhalten können und damit u.U. sehr lange wirken können !!! Psychische Auswirkungen Akut bewirken die Alkaloide, daß innerhalb von 15 Minuten Unruhe, (sexuelle) Erregtheit, Verwirrtheit, Euphorie/ Heiterkeit sowie Rededrang/ Schreien und Lach-/ Weinkrämpfe auftreten. Diese können im weiteren Verlauf immer wieder ohne Vorwarnung auftreten. Halluzinationen treten regelmäßig auf, da Scopolamin hochgradig halluzinogen wirkt. Bei entsprechender Dosierung treten dann Bewußtseinsstörungen bis zur Bewußtlosigkeit auf. Die im Schlaf erlebten Träume sind oft sehr intensiv sexuell getönt und farbintensiv. Daneben beinhalten sie Wahnvorstellungen, wie z.B. Fliegen zu können u.ä.. Dieser Schlaf kann durchaus als deliriumähnlich beschrieben werden. Mit Abklingen der akuten Wirkung kommt es dann normalerweise zu einem Rückgang der psychischen Effekte. Allerdings kann es bei entsprechend veranlagten Personen auch zu einem "Hängenbleiben" kommen, d.h. die Effekte gehen nicht zurück und es bleibt eine Restwirkung bestehen ! Diese entspricht meistens den Symptomen einer psychotischen Störung. Inwieweit der Genuß von Alkaloiden bei sonst psychisch gesunden Personen eine psychotische Störung auslösen kann, ist umstritten. Unstrittig ist allerdings, ausgehend vom sog. Vulnerabilitätsmodell, daß bei entsprechend vorbelasteten Personen die Vulnerabilitätschwelle senken und damit eine psychotische Störung auslösen kann. Umstritten ist auch die Gefahr eines "Flashbacks" . Dabei soll es auch noch Wochen bis Monate nach dem Konsum zu plötzlichen Rauschzuständen kommen können. Bisher konnten "Flashbacks" im Zusammenhang mit dem Konsum von Halluzinogenen weder nachgewiesen noch widerlegt werden. Auszuschließend sind sie daher nicht ! Auch Tage nach der Einnahme können Störungen der Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit sowie des Gedächntisses auftreten. Eine körperliche Abhängigkeit entwickelt sich durch den Konsum von gemeinem Stechapfel nicht, aber es besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Körperliche Auswirkungen Nach Einnahme treten die typischen Symptome einer Vergiftung mit Alkaloiden auf: Trockene, heiße und gerötete ("scharlachrote") Haut, trockene Schleimhaut und damit verbunden Schluckbeschwerden und Heiserkeit, Erhöhung der Körpertemperatur, Erhöhung der Herzfrequenz bis zum Herzrasen, Anstieg des Blutdrucks, beschleunigte und vertiefte Atmung, weite und lichtstarre Pupillen mit Lichtscheu, Sprach- und Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und gelegentlichem Erbrechen. Das Erbrechen tritt allerdings nur zu Beginn auf. Weiterhin können Anfälle auftreten, die an wie generalisierte epileptische Anfälle wirken. Bei Überdosierung können Todesfälle durch Herzrhythmusstörungen und/ oder Atemlähmungen auftreten. Die Sehstörungen können wochenlang anhalten und äußern sich durch das Sehen von Doppelbildern sowie Schwierigkeiten, nahe Gegenstände scharf zu sehen. Neben den Sehstörungen können weitere atropinbedingte Störungen tagelang anhalten. Atropin selber wird erst im Verlaufe von mehreren Tagen abgebaut ! Links
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